Drei-Pfeiler-Konzept

Der Teil unseres Programms, der in Deutschland stattfindet, sind die Workshops zur Gewaltfreien Kommunikation. Die Teilnehmer sind Menschen aus verschiedenen Ländern weltweit (Afrika, Philippinen, Indien und Kolumbien), die mit Straßenkindern arbeiten und / oder selbst auf der Straße aufgewachsen sind. Sie bewerben sich und werden für die Zeit des Seminars nach Deutschland eingeladen. 

Im Workshop haben sie die Möglichkeit, die Gewaltfreie Kommunikation für sich zu entdecken und zu erlernen. Zurück in ihren Heimatländern werden sie zu Multiplikatoren der GfK, indem sie diese Methode an die Straßenkinder weiter vermitteln. 

Inzwischen ist der fünfte Workshop geplant. Einige Teilnehmer sind wiederholt dabei und es zeigt sich, wie sinnvoll dieser Ansatz ist. Die erfahrenen Teilnehmer können ihre GfK-Kenntnisse reflektieren und vertiefen und gleichzeitig den Neulingen helfen, indem sie von ihren ganz realen GfK-Erlebnissen berichten. Beinahe für noch wichtiger halte ich das Vertrauen, dass sich durch die Kontinuität dieser Workshops zwischen den Teilnehmern untereinander sowie zwischen den Teilnehmern und den Trainern gebildet hat. So sind wir im April 2015 zu einem 19tägigen Workshop in den Philippinen eingeladen; in Indien werden wir im Oktober 2015 hundert Lehrer mit dem »GfK-Virus infizieren«.

Um den Teilnehmern auch nach dem Workshop eine Möglichkeit für Austausch und Feedback zu geben, werden sie via Internet in das GfK Netzwerk eingebunden. Darüber hinaus sind wir bemüht, für jede der Teilnehmergruppen einen GfK geschulten Begleiter zu finden, der sich im Nachhinein um die Weiterentwicklung der GfK Fähigkeiten der Teilnehmer im eigenen Land kümmert. Dies kann im optimalen Fall durch Begleitung an den Heimatort oder per Internet geschehen.

Der restliche Teil des Programms baut auf drei Pfeilern auf:

   1  Direkte Hilfe

Die erste notwendige Maßnahme ist der Aufbau und Unterhalt eines Auffangzentrums, um Betroffenen unmittelbar Hilfe leisten zu können. 

Mit der Unterstützung verschiedener Stiftungen (Karl-Kübel-Stiftung, Pater Heinz Kulüke) haben wir beispielsweise ein solches Auffangzentrum in Manila, Philippinen, gegründet: das »Drop-in Center« in Cebu City. Dort erfahren Kinderprostituierte, junge Mädchen, die oftmals schwanger sind (ohne den Vater ihres Kindes kennen, weil sie so viele verschiedene Kontakte pro Nacht hatten), sich mit Geschlechtskrankheiten oder sogar AIDS angesteckt haben, medizinische Behandlung und menschliche Unterstützung.

   2  Aufklärung

(Nicht nur) auf den Philippinen werden immer wieder junge Mädchen aus armen Familien vom Land in die Städte gelockt mit dem Versprechen, dort eine Arbeit als Hausangestellte zu finden. Weder die Eltern, die ihre Kinder gutgläubig dorthin verkaufen, noch die Kinder ahnen, dass die Mädchen stattdessen zur Prostitution gezwungen werden. 

Zu unserem Programm gehört daher die Aufklärung der Bevölkerung auf den Dörfern durch Schulprojekte, Vorträge und Filme. Nach der Idee von Katrin Rohde, Bourkina Faso in Afrika, und dort auch zum ersten mal mitgetragen, haben wir auf den Philippinen ein »Cinemobil« organisiert: ein Auto mit Leinwand und Projektor, was von Dorf zu Dorf fährt und Aufklärungsarbeit leistet für die Familien mit Themen wie Frauenrecht, Sexualaufklärung, Aids und wie ich mich schütze, Beschneidung, Hygiene etc. Das Projekt ist in den Philippinen mit großer Zuhörerrate in verschiedenen Dörfern sehr gut aufgenommen worden. Die zuhörenden Eltern waren zum Teil schockiert, was mit ihren Kindern in den großen Städten geschieht.

   3  Eigenständigkeit

Die Eltern, die ihre Kinder in die Städte verkaufen, tun dies, weil sie arm sind, weil sie den Wunsch haben nach finanzieller Sicherheit für sich und ihre anderen Kinder oder um aus der Schuldenfalle gegenüber Geldverleihern herauszukommen. Man muss also nicht nur aufklären, sondern auch das Problem der Armut angehen. 

Nach dem Beispiel von Yunus, Bangladesch, vergeben wir Mikrokredite, die den Eltern ermöglichen, sich eine selbständige Existenz aufzubauen. Mikrokredite helfen den Menschen, ihre eigenen vorhandenen Fähigkeiten zu leben und auszubauen (»wenet« in Kenia, (Women Entrepreneur Training Network: Existenzgründertraining für Frauen aus unteren sozialen Schichten in Verbindung mit einen zinslosen kurzfristigen Mikrokredit), sowie weitere Projekte in Ogadougu, Bourkina Faso).

Mikrokredite sind ein wertschätzendes Mittel, um zu unterstützen. Sie sprechen die Sprache der GfK: sie antworten auf konkrete Bedürfnisse, sie führen zu Eigenständigkeit und sie stärken die Würde des Menschen.


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